Guter Realismus ist wie Schachspielen

Ein Tag mit Mag. Ludwig Drahosch

Im Rahmen der LIK Akademie Meisterklasse (http://www.likakademie.com) steht ein gemeinsamer Besuch zum Thema Alte Meister im Wiener Kunsthistorischen Museum am Programm. Durch die Ausstellung werden wir von Mag. Ludwig Drahosch (Link zu seinem FB-Profil) geleitet, der uns sein geballtes Fachwissen auch für Nicht-Künstler portionsgerecht aufteilt.

KHM Eingangsbereich

Ein Tag, der noch lange in Erinnerung bleiben wird. Prädikat: nachahmungswert.

Der Rote Faden durch die Jahrhunderte

Die Reise durch das KHM

Die Reise durch das KHM

Was sofort auffällt ist, dass wir es hier mit jemanden zu tun haben, der uns nicht Kunstgeschichte chronologisch vorbetet und dabei verständnisvolle Blicke ernten will. Wir stehen einem Künstler gegenüber, der die Dinge der Zeit in seinem Kopf geordnet und abstrahiert hat. Daraus ergibt sich eine Erzählweise, die losgelöst von Jahreszahlen die Epochen wie Stunden an einem Tag und Alte Meister wie Treffpunkte in der Geschichte erscheinen lässt. Sehr kurzweilig erscheinen die Sprünge zwischen Maltechniken, Pinselschwüngen, Öl-Trocknung, das Wissen über Licht und Schatten sowie die zur damaligen Zeit zur Verfügung stehenden Materialien. Indem Hr. Drahosch sich die Arbeitsweise von über 40 Malern angeeignet hat, kann er auch Bilder des einen Künstlers mit der Methode eines Anderen wiedergeben.

Stipfln entlang unserer Gedankenreise

Wir werden in unserer Reise entlang von Pfeilern wie Stipfln am Straßenrand, die entlang von unzähligen Bildern Raum für Raum durchkreuzt, immer wieder mit Erzählungen, Erklärungen, Vergleichen, und Begriffsdefinitionen, wie beispielsweise dem Unterschied zwischen Schaffen und Schöpfen und damit der Gegenüberstellung von schaffenden und schöpfenden Künstlern, gefüttert. Wir versuchen in gedanklichen Ausflügen Brücken zu schlagen, wobei sich Pfeiler manifestieren. Wie bspw.: "Künstler müssen alle Regeln der Kunst beherrschen. Erst dann darf man sie brechen." (Zitat: Mag. Ludwig Drahosch) Es folgte eine Diskussion in der Runde über: Wie lernt man <em>alle</em> Regeln kennen? Kann ich mir selbst Regeln herauspicken (und nicht alle kennen) und diese dann gleichermaßen brechen?

offener Dialog

offener Dialog

Vergleiche von heute zu früheren Epochen

Zusätzliches Anschauungsmaterial

Zusätzliches Anschauungsmaterial

Immer wieder wird während des Vortrags zusätzliches Material miteingebunden. Wir lernen über die (nicht) perfekte Lichtsetzung und dass z.B. Caravaggio der Erste war, der das Licht außerhalb des Bildes gesetzt hat. Atmosphäre, Licht und Schatten trafen sich.  Frage in die Runde: Wie setzt man (z.B. künstliches) Licht ein, damit es wie Renaissance wirkt?

Wir machen einen Spagat zu dem ebenfalls für Fotografen wichtigen Werkzeug: Dreieckskomposition. Zwei wichtige Merkpunkte: Raphael hat sie kultiviert + Dreiecke können auch aus Farben entstehen (also im Sinne der Eckpunkte in der Komposition).

Beispiele und eigene Werke

Drahoschs persönliche Werke

Drahoschs persönliche Werke

Drahoschs persönliche Werke 2

Drahoschs persönliche Werke 2

Wenn im Rembrandt-Saal die an der Wand hängenden Bilder zu den eigenen Werken springen lassen, anhand derer Beispiele sich bestimmte Dinge einfach besser erklären lassen, als mit dem im Museum zur Verfügung stehenden Material, dann wird das einfach kurzerhand gemacht.

Dass die Erklärungen niemand versäumen will, liegt wohl auch daran, dass wir Gedankenmuster vorgekaut und per Drahosch's persönlichem Bildmaterial aufbereitet dargelegt bekommen. Denn nicht immer erschließt sich dem Betrachter des ausgestellten Materials die Arbeits- und Vorgehensweise vom leeren Untergrund bis zum fertig gerahmten Bild.

Fragen und Antworten

Fragen und Antworten mit L. Drahosch

Fragen und Antworten mit L. Drahosch

Was wissen wir eigentlich?

Fragen und Antworten mit L. Drahosch 2

Fragen und Antworten mit L. Drahosch 2

Ein schier unerschöpfliches Wissen und nicht Zeit genug zum Zuhören prägt unseren Tag. Wir können Vergleiche mit der Fotografie ziehen und erfahren, dass es nicht immer so war, dass es harte und sanfte Übergänge von Flächen gab. Tizian war z.B. einer, der für sein Flächen-malen dadurch bekannt wurde, dass er Atmosphäre ins Bild gebracht hat - wenig scharf abgegrenzt, dafür aber sanfte Übergänge. Auch hat er keine Vorzeichnung mehr gemacht.

Alles in Allem ein sehr wertvoller Tag.

Beenden möchte ich diesen Beitrag mit einem Zitat von Mag. L. Drahosch: "Guter Realismus ist wie Schachspielen".